Archiv der Kategorie: Ökonomie

Familienstreit über Perlen und Diamanten – Über die Auslegung der Eheverträge in der Familie der Kaiserin

Ein Paar Armbänder mit 112 Perlen und rubinbesetzten Schlössern, ein Paar Ohrringe mit 14 Diamanten pro Stück1 – wer würde solchen kostbaren Schatz aus der Hand geben? In der Frühen Neuzeit war jedoch selbst der vertraglich abgesicherte Besitz solcher Juwelen nicht unanfechtbar. Dies bezeugen kürzlich in unsere digitale Edition aufgenommene Schriftstücke, die zwischen Mai und September 1703 zwischen Kaiserin Eleonora Magdalena, ihren Brüdern Johann Wilhelm und Karl Philipp von Pfalz-Neuburg sowie Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg ausgetauscht wurden. Wie war es möglich dem festgeschriebenen Wort entgegenzuwirken?

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Fürstliche Finanzjongleure

Anfang Mai 1703 starb in Wien Samuel Oppenheimer[1], der kaiserliche Hoffaktor, nur wenige Tage, nachdem sich sein Finanzunternehmen für insolvent erklärt hatte. Die Ursache seiner Zahlungsunfähigkeit lag jedoch nicht in seinem Geschäftsgebaren. Entscheidend dafür war es vielmehr, dass die kaiserliche Kasse bei ihm Schulden in Höhe von etwa 5 Millionen Gulden angehäuft hatte[2]. Im Unterschied zu gewöhnlichen Sterblichen damals wie heute war der Ausfall seines wichtigsten Geldbeschaffers zwar ein Problem für Kaiser Leopold I., aber noch lange kein Grund, etwa die Schulden einfach zurückzuzahlen oder zumindest dafür zu bürgen und damit das Finanzimperium Oppenheimers zu retten.

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