Ein Paar Armbänder mit 112 Perlen und rubinbesetzten Schlössern, ein Paar Ohrringe mit 14 Diamanten pro Stück1 – wer würde solchen kostbaren Schatz aus der Hand geben? In der Frühen Neuzeit war jedoch selbst der vertraglich abgesicherte Besitz solcher Juwelen nicht unanfechtbar. Dies bezeugen kürzlich in unsere digitale Edition aufgenommene Schriftstücke, die zwischen Mai und September 1703 zwischen Kaiserin Eleonora Magdalena, ihren Brüdern Johann Wilhelm und Karl Philipp von Pfalz-Neuburg sowie Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg ausgetauscht wurden. Wie war es möglich dem festgeschriebenen Wort entgegenzuwirken?
Archiv der Kategorie: Korrespondenz
John James von Hamilton: „trewer diener“ oder „unverantworthliche intriguen“?
Frühneuzeitliche Fürsten und Fürstinnen waren in ihrem Alltag und ihrer Herrschaftspraxis ständig auf die Arbeit einer großen Zahl von Personen angewiesen, von den untersten Hofbediensteten wie etwa Türstehern oder Wäscherinnen bis hin zu den höchsten Amtsträgern. John James von Hamilton: „trewer diener“ oder „unverantworthliche intriguen“? weiterlesen
News aus der digitalen Werkstatt: Neue Anwendungen in der Edition der Kaiserinnenbriefe
Die digitale Edition der Briefe im Korrespondenznetzwerk von Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg ist seit Juni 2024 online verfügbar. Seither wurde sie aber durch zahlreiche technische Tools bereichert, von denen wir in diesem Beitrag für alle NutzerInnen und Interessierte die wichtigsten präsentieren möchten. Wie lässt sich eine Masse an Schriftstücken in einer digitalen Edition übersichtlich gestalten? Wie können Metadaten miteinander verknüpft werden und welches Potenzial birgt TEI für die digitale Rekonstruktion von verlorenen historischen Daten?
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Ein Fürst zwischen Schlachtfeld und Hochzeitsfeier
Die persönliche Teilnahme eines Fürsten am Feldzug war in der Frühen Neuzeit eine zwiespältige Angelegenheit: entsprach es einerseits dem Bild des Fürsten, im Krieg nach Ruhm und Ehre zu streben, so hatte er andererseits auch der Verantwortung für die Familie, die Dynastie, gerecht zu werden. Dazu zählte auch die Sicherung der Nachfolge – und dazu musste der Fürst verheiratet und zu Hause sein. Dieser Zwiespalt lässt sich auch in den Briefen von Kaiserin Eleonora Magdalena erkennen, wenn sie in verschiedenen Fällen darüber reflektiert, ob es ratsam sei, ihre Brüder ins Feld zu schicken. Welche Faktoren spielten bei ihren Überlegungen eine Rolle?
Ein Fürst zwischen Schlachtfeld und Hochzeitsfeier weiterlesenUnd weiter geht’s …
Unser Projekt “Familiensache” läuft nun bereits seit über drei Jahren, und damit neigt sich der Förderzeitraum seinem Ende entgegen. Aber es geht weiter:
Wie Wien zu Zeiten vor dem Opernball „gerockt“ hat – Fasching am kaiserlichen Hof im 17. Jahrhundert
Maskenbälle, Schlittenfahrten, Hetzjagden, Ballett, Konzerte, Theateraufführungen und sonstige „Narretei“ – der typische Faschingsalltag in Wien zur Zeit des Großen Türkenkrieges wird in historischen Korrespondenzen lebendig. Durch die digitale Edition der Briefe der Kaiserin Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg werden neue Inhalte zugänglich, die die von Belustigungen aber auch politischen Manövern geprägte Zeit des Faschings am Wiener Hof näherbringen. Wie Wien zu Zeiten vor dem Opernball „gerockt“ hat – Fasching am kaiserlichen Hof im 17. Jahrhundert weiterlesen
Ein Maler für alle Fälle – Jan Frans Van Douven in den Briefen der Kaiserin
In Zeiten von Zoom und Tinder sind wir permanent gewohnt, Bilder von Anderen vor uns zu haben. Das Bedürfnis zu wissen, wie unser Gegenüber aussieht, teilen wir jedoch mit unseren Ahnen. Während heute Bilder nur einen Mausklick entfernt sind, waren die Arbeiten an Portraits[1] in der Frühen Neuzeit mit wesentlich mehr Arbeit verbunden. Sie sind regelmäßig Thema im Briefwechsel zwischen Eleonora Magdalena und Johann Wilhelm von der Pfalz, wenn es darum geht, Bilder der Familie malen zu lassen oder sich über das Aussehen potentieller Heiratskandidatinnen zu informieren. Besonders vertrauten die Pfalz-Neuburger auf den niederländischen Maler Jan Frans Van Douven[2], der sowohl im Dienst von Kurfürst Johann Wilhelm als auch später seines Nachfolgers, Karl Philipp, stand und das Wirken Johann Wilhelms als Kunstmäzen wesentlich prägte. Ein Maler für alle Fälle – Jan Frans Van Douven in den Briefen der Kaiserin weiterlesen
Die Kaiserin geht live!
Zweieinhalb Jahre haben wir intensiv an den Briefen der Kaiserin gearbeitet, in der Zeit wurden hier 25 Blogbeiträge publiziert. Wir freuen uns sehr, diesen unfassbar spannenden Bestand nun teilen zu können und möchten deshalb an all unsere Leser*innen folgende Einladung aussprechen:
Das Projekt „Familiensache. Dynastische Handlungsräume in der Korrespondenz der Kaiserin Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg (1655-1720)“ lädt Interessierte herzlich zur
Präsentation der Digitalen Edition der eigenhändigen Korrespondenz der Kaiserin Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg
am 27.6.2024, 17:30 Uhr
in den Räumlichkeiten der Wiener Postsparkasse (3. Stock)
ein. Die Präsentation wird hybrid abgehalten, weitere Informationen zur Teilnahme vor Ort und virtuell gibt es hier: Die Korrespondenz der Kaiserin (oeaw.ac.at). Sollten Sie an einer Teilnahme interessiert sein, so bitten wir um Anmeldung über das Anmeldeformular, das sie ebenfalls unter diesem Link finden. Die Kaiserin geht live! weiterlesen
Tarnen, täuschen, fälschen?
Im Frühjahr 1711 berieten sich Kaiserin Eleonora und ihr Bruder, der Hochmeister des Deutschen Ordens, Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg[1], in einer delikaten Angelegenheit. Briefe ihrer Schwester, der früheren spanischen Königin Maria Anna, waren in Wien angekommen – überbracht von einem Diplomaten im Dienst des Herzogtums Parma. Im Grunde keine ungewöhnliche Sache, es bestand eine regelmäßige Korrespondenz zwischen Maria Anna und ihren Geschwistern. Auch die Postroute über Parma erscheint angesichts der unsicheren Lage inmitten des Spanischen Erbfolgekriegs keine außergewöhnliche Wahl gewesen zu sein. Dieses Mal war jedoch etwas faul, darin waren sich die beiden einig! Denn die Briefe, so versicherte die Kaiserin in einem Brief Mitte März 1711 ihrem Bruder Johann Wilhelm, erschienen gefälscht. Tarnen, täuschen, fälschen? weiterlesen
Wien 1696: Ein Mord und keine Hochzeit
Mitten im Wienerwald, unweit der Gemeinde Gablitz, erhebt sich eine Pyramide. Sie soll den Ort bezeichnen, an dem am 10. August 1696 Graf Ferdinand Leopold von Hallweil (1649-1696) ermordet wurde.
Der “frische” Bruder Carl
Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg war nicht nur Kaiserin und die Mutter zweier Kaiser und einer Königin von Portugal. Sie war als Erstgeborene auch die große Schwester einer langen Reihe von Geschwistern. Unter diesen spielte Johann Wilhelm, ihr langjähriger Korrespondenzpartner, als Kurprinz und Erbe sicher eine besondere Rolle. Aber auch alle anderen Geschwister erscheinen in ihren Briefen an Vater und Bruder.
Wie man Fürstbischof wird: Tauziehen um das Bistum Osnabrück (1698)
Die Unterbringung ihrer jüngeren Brüder in der Reichskirche war ein wichtiger Gegenstand der Korrespondenz der Kaiserin Eleonore Magdalena mit ihrem Vater Kurfürst Philipp Wilhelm von der Pfalz (siehe auch https://kaiserin.hypotheses.org/1180#more-1180 ) und blieb dies auch in der Korrespondenz mit ihrem Bruder Kurfürst Johann Wilhelm. Wie man Fürstbischof wird: Tauziehen um das Bistum Osnabrück (1698) weiterlesen
Ein Jahr mit Transkribus*
Während momentan Chat-GTP und die Maschine als Assistenz des Menschen wieder in aller Munde sind, geht es heute hier um den Menschen, der der Maschine kritisch über die Schulter blickt. Momentan bastelt das Team von „Familiensache“ eifrig an der digitalen Edition, deshalb bietet sich ein Rückblick auf den ersten großen Abschnitt unserer Arbeit an: Die Transkriptionsarbeiten sind mittlerweile abgeschlossen, nach einem intensiven Jahr mit „Transkribus“. Ein Jahr mit Transkribus* weiterlesen
Neapel sehen – oder doch lieber nicht?
Durch Goethes „Italienische Reise“ ist das neapolitanische Sprichwort „Neapel sehen und sterben“ in den deutschen Sprachschatz gekommen1. Es findet Abwandlung bis heute zur Beschreibung nicht nur der süditalienischen Stadt, sondern auch vieler anderer „Sehnsuchtsorte“ und Reiseziele. Achtzig Jahre vor Goethe war Kaiserin-Witwe Eleonora Magdalena keinesfalls derart euphorisch, als es um eine mögliche Reise nach Neapel ging.
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- Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Reise. Zweiter Teil. Neapel. 2. März 1787: https://www.projekt-gutenberg.org/goethe/italien/ital172.html „Von der Lage der Stadt und ihren Herrlichkeiten, die so oft beschrieben und belobt sind, kein Wort. »Vedi Napoli e poi muori!« sagen sie hier. »Siehe Neapel und stirb!«“. [↩]
„und stelleten alles in rechte Ruhe“: Ein Friedensplan des pfälzischen Kurfürsten im Jahr 1694
Die Korrespondenz zwischen Kaiserin Eleonore Magdalena und ihrem ältesten Bruder, dem Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, ist zu einem erheblichen Teil in beide Richtungen erhalten: Gemeinsam mit den Originalbriefen der Kaiserin bewahrte das kurfürstliche Archiv Konzepte und Abschriften eines großen Teils von Johann Wilhelms Antwortbriefen auf.
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