Im September 1676 wechselte Herzog Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg einige Briefe mit seinem Düsseldorfer Kammermaler Johann Georg Walter. Zwar wurde über die Eheschließung seiner ältesten Tochter Eleonora Magdalena mit Kaiser Leopold I. zu dieser Zeit noch hinter den Kulissen verhandelt. Aber der weitsichtige Herzog setzte schon erste Schritte im Zusammenhang mit der Hochzeitvorbereitung, zu der auch diese Schreiben zählten.
In vielen Blogeinträgen haben wir an dieser Stelle schon Ansichten einer Kaiserin und Themen dargestellt, die sich aus den Briefen von Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg herauslesen lassen. Zum Themenspektrum ihrer Briefe gehörten dabei auch immer wieder aktuelle Ereignisse, über die sie Neues berichten konnte oder die sie ihren Korrespondenten mitteilte.
Unser Projekt “Familiensache” läuft nun bereits seit über drei Jahren, und damit neigt sich der Förderzeitraum seinem Ende entgegen. Aber es geht weiter:
Im Frühjahr 1686 hatte Kaiserin Eleonora Magdalena ein schwieriges Problem zu lösen: Die von ihr hochgeschätzte Obersthofmeisterin – und damit zugleich wichtigste Erzieherin – ihrer Kinder war verstorben. Nun galt es einen adäquaten Ersatz für diese wichtige Amtsträgerin zu finden, denn nur wenn sie die Kinder in sicheren Händen wusste, wollte und konnte die Kaiserin guten Gewissens ihren Gemahl auf die Jagd begleiten oder sonst längere Zeit abwesend sein. Bei ihren Überlegungen in dieser Frage stieß sie auf eine alte Bekannte ihres Vaters:
Anfang Mai 1703 starb in Wien Samuel Oppenheimer[1], der kaiserliche Hoffaktor, nur wenige Tage, nachdem sich sein Finanzunternehmen für insolvent erklärt hatte. Die Ursache seiner Zahlungsunfähigkeit lag jedoch nicht in seinem Geschäftsgebaren. Entscheidend dafür war es vielmehr, dass die kaiserliche Kasse bei ihm Schulden in Höhe von etwa 5 Millionen Gulden angehäuft hatte[2]. Im Unterschied zu gewöhnlichen Sterblichen damals wie heute war der Ausfall seines wichtigsten Geldbeschaffers zwar ein Problem für Kaiser Leopold I., aber noch lange kein Grund, etwa die Schulden einfach zurückzuzahlen oder zumindest dafür zu bürgen und damit das Finanzimperium Oppenheimers zu retten.
Vor einigen Wochen wurde bei einer Londoner Kunstauktion ein großformatiges Gemälde aus dem 18. Jahrhundert versteigert. Entstanden im frühneuzeitlichen Iran, zeigt es eine europäisch gekleidete Frau, die von einer renommierten Kunsthistorikerin als Kaiserin Eleonora Magdalena identifiziert wurde. Aber wie kommt die Kaiserin nach Persien?
Der Sternkreuzorden ist ein bis heute bestehender Damenorden, der 1668 von Kaiserin-Witwe Eleonora Gonzaga-Nevers gegründet wurde. Sie hatte ihn der Verehrung des Heiligen Kreuzes gewidmet und war bis zu ihrem Tod im Dezember 1686 seine Vorsteherin. Seitdem ist stets eine Dame aus dem Haus Habsburg(-Lothringen) seine Schutzfrau.
Mitten im Wienerwald, unweit der Gemeinde Gablitz, erhebt sich eine Pyramide. Sie soll den Ort bezeichnen, an dem am 10. August 1696 Graf Ferdinand Leopold von Hallweil (1649-1696) ermordet wurde.
Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg war nicht nur Kaiserin und die Mutter zweier Kaiser und einer Königin von Portugal. Sie war als Erstgeborene auch die große Schwester einer langen Reihe von Geschwistern. Unter diesen spielte Johann Wilhelm, ihr langjähriger Korrespondenzpartner, als Kurprinz und Erbe sicher eine besondere Rolle. Aber auch alle anderen Geschwister erscheinen in ihren Briefen an Vater und Bruder.
Durch Goethes „Italienische Reise“ ist das neapolitanische Sprichwort „Neapel sehen und sterben“ in den deutschen Sprachschatz gekommen1. Es findet Abwandlung bis heute zur Beschreibung nicht nur der süditalienischen Stadt, sondern auch vieler anderer „Sehnsuchtsorte“ und Reiseziele. Achtzig Jahre vor Goethe war Kaiserin-Witwe Eleonora Magdalena keinesfalls derart euphorisch, als es um eine mögliche Reise nach Neapel ging.
Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Reise. Zweiter Teil. Neapel. 2. März 1787: https://www.projekt-gutenberg.org/goethe/italien/ital172.html „Von der Lage der Stadt und ihren Herrlichkeiten, die so oft beschrieben und belobt sind, kein Wort. »Vedi Napoli e poi muori!« sagen sie hier. »Siehe Neapel und stirb!«“. [↩]
Das Schreiben, mit dem Kaiserin Eleonora Magdalena sich Anfang Oktober 1702 an ihren Bruder Johann Wilhelm in Heidelberg wandte, hatte es in sich: Sie bezichtigte hier einen Grafen Lamberg eines „crimen laesae majestatis“, einer Majestätsbeleidigung, und forderte den Kurfürsten auf, dem Grafen keine Unterstützung angedeihen zu lassen, falls er bei ihm deshalb vorstellig werden sollte. Was hatte Lamberg sich zuschulden kommen lassen, dass er dieses schweren, mit der Todesstrafe bedrohten Verbrechens beschuldigt wurde?
Schon bald fünf Jahre ist es her, dass hier über die Bemühungen von Kaiserin Eleonora Magdalena berichtet wurde, eine entfernte Verwandte im reichsunmittelbaren Damenstift Herford unterzubringen. Nun gibt es in dieser Angelegenheit Neues zu berichten, vor allem, weil im Zuge der Arbeit am laufenden Projekt neue Quellen aufgetaucht sind.
Zar Peter I. von Russland, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der russischen frühneuzeitlichen Geschichte, ging im März 1697 auf Reisen. Begleitet von Dutzenden junger adliger Herren reiste er über Livland zuerst nach Königsberg, wo man sich mehrere Monate aufhielt, dann weiter über Berlin nach Amsterdam. Auch dort verweilte die „Große Gesandtschaft“ längere Zeit, bis der Zar im Januar mit kleinem Gefolge nach England fuhr. Im April ging es dann nach Süden: Über Leipzig und Dresden zog die Gesandtschaft nach Wien, wo man Anfang Juni 1698 eintraf.